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Malteser Bad Honnef

Flüchtlinge werden Malteser-Helfer

Die Bad Honnefer Malteser haben sich die Integration von Flüchtlingen in die regulären aktiven Dienste des Malteser Hilfsdienstes zum Ziel gesetzt. Wir führen Flüchtlinge nach ihren Interessen und Fähigkeiten in die vielfältigen Dienste der Malteser ein.

Gemeinsam helfen, Integration schaffen - zur Nachahmung empfohlen

Foto: Unser Projekt wurde mit dem Helfende-Hand-Förderpreis ausgezeichnet (2. Platz im Sonderpreis für Integration). Die Honnefer Delegation mit Jurymitglied Edmund Baur vom Malteser Hilfsdienst (4.v.l.). Foto: Alexander Malesevic/MHD

Das Konzept „Gemeinsam helfen – Integration schaffen“ der Bad Honnefer Malteser hat die Integration von Flüchtlingen in die regulären aktiven Dienste des Malteser Hilfsdienstes zum Ziel. Dabei gilt es zunächst, Sprachbarrieren zu überwinden und etwaige Berührungsängste gar nicht erst entstehen zu lassen. Wir führen Flüchtlinge nach ihren Interessen und Fähigkeiten in die vielfältigen Dienste der Malteser ein, stärken ihr Selbstwertgefühl und verhelfen ihnen durch die Integration in unsere Gemeinschaft zu neuen Kontakten zu gleichgesinnten Einheimischen und Flüchtlingen. Unser Projekt wurde im September 2016 für den Helfende-Hand-Förderpreis nominiert.

Als Grundlage und Initialzündung dienen Erste-Hilfe-Grundlehrgänge in englischer Sprache. Darauf aufbauend werden Teilnehmer, die sich als besonders engagiert und motiviert erwiesen haben, an die aktiven Dienste der Malteser herangeführt. Dazu nehmen sie an regulären Fortbildungsabenden und Sanitätsdiensten teil. Die Sprachbarriere, der Schlüsselfaktor bei der Integration, wird nach und nach durch Interaktion mit den Helfern abgebaut.

Bei der Integration und bei sprachlichen Problemen helfen englisch sprechende Malteser-Helfer als „Paten“. Im weiteren Verlauf des Projekts ist geplant, die einmal aus dem Kreis der Flüchtlinge gewonnenen Malteser-Neuhelfer zur Anleitung der zukünftigen Neuhelfer-Generationen zu qualifizieren.

 

Impressionen aus Kurs I: Stolze Teilnehmer zeigen ihre Urkunden. Feuerlösch-Übung am Brandsimulator. Fotos: Christian Adams, Andreas Archut.

Was wir erreichen wollen

Das Projekt „Gemeinsam helfen – Integration schaffen“ hat vielfältigen Nutzen. Insbesondere sind dies die Befreiung der Flüchtlinge aus ungewollter Passivität, Förderung der Integration, die Gewinnung von Helfern mit besonderen Sprachkenntnissen und langfristig auch die Nachwuchsgewinnung für die Flüchtlingshilfe und andere ehrenamtliche Dienste.

1) Befreiung aus ungewollter Passivität: Zunächst ist es eine Betreuungsmaßnahme für Flüchtlinge. Flüchtlinge erfahren sich nach ihrer Ankunft in Deutschland zunächst eher als Objekte denn als handelnde Personen. Die Folgen der Belastung durch die Flucht, Sprachbarrieren, angeordnete oder faktische Mobilitätsbeschränkungen und eine räumlich oft suboptimale Unterbringung sind große Hemmnisse für das Durchbrechen der Passivitätsbarriere, denen die meisten Flüchtlinge unterliegen. Die Teilnehmer werden in die Lage versetzt, selbst bei kleinen und größeren Notfällen Hilfe zu leisten. Sie sollen sich dadurch als handlungsfähige Akteure erleben und nicht als ganz von anderen abhängige Personen. Nicht zuletzt erwerben die Teilnehmer aber auch eine ganz reguläre Qualifikation, die wir in üblicher Weise bescheinigen. Der Erste-Hilfe-Nachweis kann später für den Erwerb des Führerscheins oder für eine Tätigkeit als Betriebshelfer verwendet werden und stellt damit eine erste Zusatzqualifikation für den Arbeitsmarkt dar.

2) Förderung der Integration: Die Teilnahme von Flüchtlingen an Erste-Hilfe-Kursen, Fortbildungen  und Diensten der Malteser fördert unmittelbar ihre Integration, indem sie neue Gelegenheit zur Begegnung von Flüchtlingen und Einheimischen schafft. Am Rande des eigentlichen „Themas“ kommen dadurch Menschen miteinander in Kontakt, die sich sonst nie getroffen hätten. Dies fördert die Kenntnis der Flüchtlinge über unsere Gesellschaft und baut auf Seiten der Einheimischen Vorurteile ab. Die Wahrnehmung von Flüchtlingen als amorphe Gruppe wird abgelöst durch Kontakte zu einzelnen Individuen. Es entwickeln sich Bekanntschaften und Freundschaften. Es entstehen Kontakte, die künftig von beiderseitigem Nutzen sein können. Durch die Interaktion erlernen die Flüchtlinge die deutsche Sprache schneller und leichter.

3) Gewinnung von Helfern mit Sprachkenntnissen: Ein weiteres Ziel der Integration von Flüchtlingen in die Dienste der Malteser ist es, Helfer mit einschlägigen Sprachkenntnissen zu gewinnen. Im Sommer 2015 wurde unsere Einsatzeinheit wiederholt bei der medizinischen Erstuntersuchung von neu ankommenden Flüchtlingen eingesetzt. Dabei ergaben sich oft große Probleme, weil sich Helfer und Flüchtlinge mangels gemeinsamer Sprachen nicht verständigen konnten. Da die Einsätze oft sehr kurzfristig und nicht selten auch tief in der Nacht stattfanden, waren Dolmetscher nicht immer verfügbar. Wie hilfreich wäre es gewesen, in den Reihen der Malteser-Helfer Personen zu haben, die Arabisch, Kurdisch, Paschtun oder Urdu beherrschen und gleichzeitig eine sanitätsdienstliche Mindestqualifikation zu haben? Wir hoffen dank unserer neuen Aktiven im Wiederholungsfall besser gerüstet zu sein.

4) Gewinnung zusätzlicher neuer Helfer: Die Malteser tragen dazu bei, Flüchtlinge mit Bleibeperspektive zu integrieren. Hierzu möchten wir möglichst vielen Flüchtlingen die Chance geben, sich nach ihren Interessen, Wünschen und Möglichkeiten bei den Maltesern zu engagieren – sei es für andere Flüchtlinge, in den Einsatzdiensten oder im sozialen Bereich. Die Beweggründe dieser neuen Helfer dürften sich dabei von denen Einheimischer kaum unterscheiden: Erwerb neuer Qualifikationen, Kennenlernen von Gleichgesinnten und nicht zuletzt: Freude am gemeinsamen Helfen.

  

Als Malteser im Einsatz: Flüchtlinge machen beim Sanitätsdienst in Bad Honnef mit. Fotos: Ralf Klodt.

Projektverlauf (Stand: September 2016)

Projektbeginn war Anfang Oktober 2015. Bei einem privat organisierten Willkommensfest für Flüchtlinge in Bad Honnef-Rhöndorf, bei dem die Malteser den Sanitätsdienst und einen Fahrdienst übernahmen, wurde die Idee geboren, einen Erste-Hilfe-Kurs auf Englisch anzubieten. Alle dafür erforderlichen Ausbildungsvorschriften, Foliensätze und Unterlagen halten die Malteser auch in englischer Sprache vor. Mehrere syrische Flüchtlinge hatten bekundet, dass sie einmal Medizin studieren wollen. Es kam sofort eine ganze Reihe von Interessenten zusammen. Zusätzlich wurde über die Kommunen und die Flüchtlingsbetreuer der Kirchen Werbung für das Angebot gemacht. Der erste Kurs fand Ende Oktober/Anfang November in Bad Honnef statt. 15 Männer und Frauen aus vielen verschiedenen Ländern nahmen daran teil.

Erster Kurs war ein voller Erfolg

Der Kurs war ein großer Erfolg: Alle Teilnehmer schlossen die Ausbildung erfolgreich ab. Die Verständigung funktionierte hervorragend, zumal die neue Erste-Hilfe-Ausbildung kaum noch theoretische Anteile hat, da praktisches Üben und Rollenspiele im Vordergrund stehen. Das Curriculum entspricht dem normalen Kurspensum (9 Unterrichtseinheiten), wird jedoch zeitlich auf zwei Tage ausgedehnt, um allen Beteiligten genug Zeit zu geben, für eine optimale Vermittlung zu sorgen.

Anfang Januar folgte ein zweiter Kurs in Bad Honnef-Aegidienberg. Beide Kurse leitete Malteser-Stadtbeauftragter Dr. Andreas Archut, der Erste-Hilfe-Ausbilder ist und nach einem Studium in den USA fließend Englisch spricht. Unterstützt wurde er von weiteren Maltesern mit guten Englischkenntnissen, die als Dozenten und Ausbildungsassistenten eingesetzt wurden. Es wurde bei beiden Kursen darauf geachtet, dass Männer und Frauen unter den ausbildenden Maltesern sind.

Zum Abschluss erhielten die Teilnehmer neben der üblichen Erste-Hilfe-Bescheinigung auch eine aufwändig gestaltete Anerkennungsurkunde. Diese Geste kam sehr gut an. Die Kursleiter mussten spontan für „Selfies“ mit jedem Kursteilnehmer posieren.

 

 

Helfergewinnung

Aus beiden Kursen gingen mehrere Interessenten für die Mitwirkung bei den Maltesern hervor. Sie wurden eingeladen, bei den jeden Montag stattfindenden Helferabenden der Malteser teilzunehmen. Hinzu kamen bislang zwei Flüchtlinge, deren Betreuer aus der Zeitung von unserem Angebot erfahren hatte und die nun auch an den Ausbildungsabenden teilnehmen. Seit dem Herbst sind dadurch bei diesen Veranstaltungen immer auch Flüchtlinge zu Gast. Die Malteser-Helfer organisieren selbständig eine bedarfsgerechte Betreuung auf Englisch und inzwischen auch auf Arabisch.

Drei Flüchtlingen mit Erste-Hilfe-Ausbildung konnten wir im Karneval 2016 bei Sanitätseinsätzen die Teilnahme als Praktikanten ermöglichen – mit sehr guten Eindrücken für alle Beteiligten. Dies festigte die Verbindung der Flüchtlinge zu den Maltesern noch stärker.

Vier der Neuhelfer konnten bereits im Februar 2016 an einer internen Helfergrundausbildung der Honnefer Malteser teilnehmen. Sie ist auch für einheimische Interessenten die notwendige Voraussetzung um zum aktiven Helfer im Malteser-Hilfsdienst ernannt zu werden. Bei unserer Jahresversammlung Anfang März 2016 konnten wir die ersten drei Flüchtlinge (zwei Syrer und einen Iraker) zu Malteser-Helfern ernennen. Zwei Neu-Malteser sind uns aufgrund von Umzügen in andere Regionen zwichenzeitlich wieder abhanden gekommen. Wir hoffen, sie finden an ihren neuen Wohnorten Malteser-Gliederungen, die sie aufnehmen.

 

 

Ziel erreicht: Am 5. März 2016 haben wir die ersten drei Flüchtlinge zu Helfern im Malteser-Hilfsdienst ernannt. Fotos: Ralf Klodt.

Inzwischen haben weitere Erste-Hilfe-Kurse stattgefunden, und wir haben weitere Interessenten für die Malteser gewonnen. Einer von ihnen ist Ehab, der in Lohmar lebt und jetzt sowohl bei uns in Bad Honnef als auch bei den Lohmarer Maltesern aktiv ist. Gemeinsam mit Sameer und Sattar war Ehab bei der Kevelaer-Wallfahrt im Juni 2016 dabei. Dort haben die drei gemeinsam mit ihren deutschen Malteser-Kollegen kräftig mit angepackt, Rollstühle in die Wallfahrtskirche geschoben und das Essen für die Pilger ausgeteilt. Dass sie dabei dazu beigetragen haben, eine zutiefst christliche Tradition zu ermöglichen, war den drei sehr bewusst, wie auch der Facebook-Beitrag zeigt, den Ehab am Abend auf Deutsch und Arabisch an seine Freunde postete:

 

"Ja, wir haben viel gearbeitet, aber doch mehr Spaß gehabt. Weil wir den Behinderten und alten Menschen geholfen haben. Sie haben eine andere Religion, andere Meinungen und andere Kultur [als wir], aber trotzdem mussten wir ihnen helfen. Heute sind wir junge Menschen und haben viel Power aber wer weiß, vielleicht benötigen wir in Zukunft jemanden, der uns hilft. Mit den Maltesern kann man viele gute Sachen machen. Darum freue ich mich sehr, Euch kennen zu lernen."
Ehab M. (19) aus Syrien

 

Kann man erfolgreiche Integration besser auf den Punkt bringen? Uns haben die Erfahrungen der vergangenen 12 Monate bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir werden diesen Weg weiter beschreiten.

Dabei hoffen wir auf weitere Unterstützung. Schon jetzt haben uns viele Begeisterte geholfen, darunter:

  • Bürgerstiftung Bad Honnef
  • Volksbank Bonn/Rhein-Sieg
  • Aalkönigskomitee Bad Honnef
  • Bonner Medien-Club

 

Als Malteser im Einsatz: Flüchtlinge helfen Rollstuhlfahrern bei der Kevelaer-Wallfahrt und teilen dort Essen aus. Fotos: Martin Scheffler.

Helfen auch Sie uns durch Ihre Spende oder ihre aktive Mitarbeit.

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Stadtsparkasse Bad Honnef  |  IBAN: DE19 3805 1290 0000 1226 55  |  BIC / S.W.I.F.T: WELADED1HON