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Malteser Bad Honnef

Malteser Jugend unternimmt WheelMapping-Aktion

Im Rollstuhl zu neuen Perspektiven gefunden

23.08.2018
Die Malteser Jugend war mit dem Rollstuhl in Bonn unterwegs. Fotos: Gebert/MHD

Die Malteser Jugend Bad Honnef war mit dem Rollstuhl in Bonn unterwegs, um Stadt und Infrastruktur einmal aus der Perspektive von Menschen mit körperlichen Einschränkungen wahrzunehmen. Ihre Erfahrungen zeichneten sie elektronisch auf. Die Ergebnisse fließen in eine digitale Landkarte ein. Mit der „WheelMapping“-Aktion leisten die Jugendlichen einen Beitrag dazu, Rollstuhlfahrern und Menschen mit Handicap dabei zu helfen, sich barrierefrei in unbekannter Umgebung zurechtzufinden.

Rollstuhl-App hilft bei der Orientierung

Jugendgruppenleiterin Janina Gebert erklärt: „Eine ‚WheelMap‘ ist eine Karte, die Rollstuhlfahrern und Menschen mit Handicap ermöglichen soll, barrierefreie Orte in einer beliebigen Stadt zu finden. Dazu kann die Internetseite wheelmap.org aufgerufen oder die gleichnamige App heruntergeladen werden.“ Jeder Interessierte kann mitmachen, indem er allein oder als Gruppe Orte besichtigt, diese nach ihrer Barrierefreiheit beurteilt und online oder per App in die „WheelMap“ einträgt. Dabei werden bestimmte Kriterien wie die Höhe der Eingangsstufe zu einem Gebäude abgefragt.

Die Honnefer Malteser Jugend war mit neun Jugendlichen, Jugendgruppenleiterin Janina Gebert und Stadtjugendsprecher Gregor Biesenbach in Bonn unterwegs. Gemeinsam begutachteten sie Orte wie Restaurants, sanitäre Anlagen, Banken, Arztpraxen, öffentliche Verkehrsmittel, etc. hinsichtlich ihrer Eignung für Rollstuhlfahrer.

Besser in Menschen im Rollstuhl hineinversetzen

Um sich besser in die Rolle eines Menschen im Rollstuhl hineinzuversetzen und besser beurteilen zu können, wo Probleme und Hindernisse liegen, nahmen die jungen Malteser selbst in einem mitgebrachten Rollstuhl Platz und probierten das Gehen mit Rollatoren aus.

Dabei erlebten die Jugendlichen zum Beispiel Gefühle, die auftreten, wenn man im Rollstuhl sitzt: „Man fühlt sich ‚klein‘, nicht beachtet oder – im Gegenteil – wird auf die Behinderung reduziert“, sagt Gebert. Gespräche fänden meist nicht „auf Augenhöhe“ statt, sondern von oben herab.

Unterschiedliche Reaktionen

Mit ihrer Aktion erzeugten die Jugendlichen verschiedenste Reaktionen, sagt Jugendsprecher Gregor Biesenbach, der bei der Aktion selbst im Rollstuhl unterwegs war: „Menschen reagierten positiv und negativ, teils desinteressiert, teils sehr neugierig. Viele waren auch verunsichert und vermieden den Blickkontakt.“ Erfreulich war, dass viele Passanten den Rollstuhlfahrer ansprachen, grüßten oder Hilfe anboten. Neben persönlichen Eindrücken sammelten die Jugendlichen aber auch konkrete Informationen darüber, wo die Barrierefreiheit eingeschränkt ist. Dies waren häufig zu hohe Eingangsstufen, Treppen und fehlende Aufzüge sowie nicht behindertengerechte Sanitäranlagen.

Am Ende der Aktion resümierte Janina Gebert: „Durch das Projekt ist uns noch bewusster geworden, dass Rollstuhlfahrern nicht nur die baulichen Barrieren wie etwa zu hohe Eingangsstufen oder die fehlenden Aufzüge Probleme bereiten, sondern auch von gesellschaftlichen Barrieren behindert werden. Wir haben Menschen getroffen, die nicht helfen wollen, wenn sie ein Rollstuhlfahrer um Hilfe bittet und Menschen, die lieber wegschauen, weil sie im Umgang mit Behinderten unsicher sind.“ In Zukunft wollen die Jugendlichen mehr Acht geben auf die Belange von Menschen mit Handicap. „Behinderte Menschen sind ein genauso wichtiger Teil der Gesellschaft wie wir. Man sollte sie nicht auf ihre Defizite reduzieren, sondern sie wie ganz normale Menschen behandeln“, ist die Jugendgruppenleiterin überzeugt.


Weitere Informationen

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